Im Bereich der industriellen Automatisierung repräsentieren ABBs Advant-Serie und das System 800xA zwei Generationen typischer Architekturen für verteilte Regelungssysteme (DCS). Von traditionellen, steuerungsorientierten Systemen hin zu integrierten Plattformen für Informations- und Anlagenmanagement spiegelt diese Evolution nicht nur Produkt-Upgrades wider, sondern auch den Trend industrieller Systeme vom „steuerungsisolierten Betrieb“ hin zur „digital integrierten Plattform“.
Von Advant zu 800xA: Hintergrund der architekturellen Evolution
Das Advant-System ist eine typische, traditionelle DCS-Architektur, die sich auf eine stabile Prozesssteuerung konzentriert und in den Bereichen Energieerzeugung, Chemie und Metallurgie weit verbreitet ist. Zu seinen Merkmalen zählen eine hohe Steuerungsverlässlichkeit; die Systeme sind jedoch relativ eigenständig: HMI-, Steuerungs-, Sicherheits- und Elektrosysteme sind häufig voneinander getrennt, und die Möglichkeiten zum Datenaustausch sind begrenzt.
Mit zunehmender Komplexität industrieller Systeme stehen Unternehmen vor Herausforderungen wie hohen Wartungskosten für mehrere Systeme, ausgeprägten Informationsinseln und dem Fehlen einer einheitlichen Bedienoberfläche. Vor diesem Hintergrund hat ABB das System 800xA (Extended Automation) eingeführt, um eine integrierte Plattform zu schaffen, die Steuerung, Information und Anlagenmanagement vereint.
Architekturelle Merkmale des Systems 800xA
Die zentrale Neuerung bei der 800xA besteht nicht nur in einem Controller-Upgrade, sondern vielmehr in einer grundlegenden Transformation der gesamten Architekturphilosophie.
● Einheitliches Objektmodell (Aspektobjekt)
Das 800xA nutzt eine Aspect-Object-Architektur, die die Modellierung von Geräten, Prozesseinheiten und Informationen (wie Alarme, Historiendaten und Dokumente) vereinheitlicht und das System vom „Punkt-zu-Punkt-Steuerung“-Ansatz zur „objektorientierten Verwaltung“ weiterentwickelt.
● Geschichtete Architektur
Eine typische 800xA-Architektur lässt sich in vier Ebenen unterteilen:
Unternehmensebene: MES / ERP / Datenanalysesystem
Betriebsebene: Bedienstation, Engineering-Station, Historiendatenbank
Regelungsebene: AC800M-Controller, Sicherheitssystem
Feldebene: S800-I/O und verschiedene Feldbusse
● Offenheit und Integrationsfähigkeit
Über branchenübliche Protokolle wie OPC und IEC 61850 kann das 800xA mit SPSen, elektrischen Systemen, SIS-Systemen und Geräten von Drittanbietern integriert werden, um eine quersystemübergreifende kooperative Steuerung zu ermöglichen.
Wesentliche Unterschiede zwischen Advant und 800xA
Aus ingenieurtechnischer Sicht liegen die wesentlichen Unterschiede in drei Aspekten:
Architektonische Philosophie: Advant ist steuerungsorientiert, während 800xA informations- und anlagenorientiert ist.
Systemintegrationsfähigkeit: Advant ist relativ geschlossen, während 800xA die Integration mehrerer Systeme betont.
Skalierbarkeit und Lebenszyklus: 800xA unterstützt modulare Erweiterung und schrittweise Upgrades.
Daher stellt 800xA keinen einfachen Ersatz für Advant dar, sondern bietet vielmehr einen „schrittweisen Evolutionspfad“.
Upgrade-Pfad von Advant zu 800xA
In der Praxis werden Systemersetzungen bei technischen Projekten üblicherweise nicht auf einmal abgeschlossen, sondern es wird eine schrittweise Evolutionsstrategie verfolgt:
● Steuerungsschicht beibehalten + Hinzufügen der 800xA-Betriebsebene
Ohne das ursprüngliche Advant-Steuerungssystem zu verändern, wird 800xA als einheitliche Betriebs- und Überwachungsplattform eingeführt, um eine visuelle Aufwertung zu erreichen.
● Übergang zu einer hybriden Architektur
Advant und AC800M koexistieren; das neue System übernimmt schrittweise neu hinzugekommene Prozesseinheiten und ermöglicht so eine reibungslose Migration.
● Vollständige Migration
Letztendlich werden die Controller und I/O-Systeme schrittweise ersetzt, um eine einheitliche 800xA-Architekturplattform zu erreichen.
Systemauswahl und Entscheidungsfaktoren
Bei der Wahl eines Upgrade-Pfads werden typischerweise folgende Faktoren berücksichtigt:
- Größe und Komplexität des bestehenden Systems
- Zulässige Ausfallzeiten
- Projektbudget und Investitionszyklus
- Notwendigkeit der Integration von elektrischen und Sicherheitssystemen
- Anforderungen an Digitalisierung und Datenanalyse
- Planung des System-Lebenszyklus
Für die meisten bestehenden Fabriken sind schrittweise Aufrüstungen (Evolution) in der Regel die risikoärmste und kosteneffizienteste Lösung.
Zusammenfassung
Die Evolution von Advant zu System 800xA stellt im Wesentlichen einen Wandel der industriellen Automatisierungssysteme von einer „steuerungsorientierten Architektur“ zu einer „informations- und steuerungskonvergenten Plattform“ dar. Für die ingenieurmäßige Praxis steht nicht der einmalige Austausch des Systems im Vordergrund, sondern vielmehr die Frage, wie ein sinnvoller, stufenweiser Migrationspfad gestaltet werden kann, um schrittweise digitale Upgrades zu realisieren und gleichzeitig die Produktionskontinuität sicherzustellen.